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Silvio Schirrmeister

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09.09.2014 |

Weit weit weg


„Ich bin raus, ich kann nicht mehr, ich bin woanders. Mein Kopf ist in der Umlaufbahn und wandert. Was ich liebe, hab ich im Tumult verloren. Alles bricht über mir ein, es pfeift in den Ohren.“

„Ich bin so weit weg, um wieder nah zu sein.“

Zeilen aus dem gleichnamigen Lied von Axel Bosse. Zeilen, die meine Situation nicht treffender beschreiben können.
Manch einer von euch hat sich vielleicht gefragt, warum mein Name nicht in der Startliste der Deutschen Meisterschaften auftauchte, auch nicht in der Nominierung für die Europameisterschaften berücksichtigt wurde.
Es war der 24. Juli 2014, der die abgeschlossene Saison für mich veränderte. Ein Infekt, den ich mir im letzten Wettkampf ( Lignano ) zugezogen hatte, brach wieder auf. Schnupfen und Halsschmerzen nagten an meinen physischen Kräften.

Allerdings war das nicht alles, was mich zur Absage der Deutschen Meisterschaften bewegte. Mich beschlich eine Angst. Angst zu versagen, Angst meinen eigenen Erwartungen nicht stand zu halten. Neben der Angst, die im Sport nun mal dazu gehört, empfand ich keinen Biss, keine Spannung, keine Lust auf das was mich erwartete. Ich hatte keine Emotionen, die mich mit Freude auf den Kampf Mann gegen Mann vorausschauen ließen. Das, wofür ich ein Jahr trainiert hatte verschwamm vor meinem Auge. Ich hatte keine Lust, kein Empfinden für das, was mein Leben ausgemacht hat, für das was ich liebe.

Ich war völlig leer und ausgebrannt. Erschöpft und am Ende meiner Kräfte.

Die Doppelbelastung aus Sport und Job hatte mich eingeholt. Mein Körper wehrte sich mit allen Mitteln gegen das, was bevor stehen sollte. Ich habe mich einem Automatismus hingegeben, der mir sowohl 30 Stunden Job, als auch 30 Stunden Sport wöchentlich abverlangte. Ein Pensum, was mir immer Spaß gemacht hat. Bis zu diesem Jahr. Ich habe mich selbst belogen, in dem ich mir nicht eingestehen wollte, nicht eingestehen konnte, dass ich insgesamt überlastet bin. Ein schleichender Prozess, indem ich mitgewirkt habe, aber nicht mitbekommen habe, dass die Funktionalität vorhanden war, aber der Spaß und die Freude auf der Strecke blieben. In der Spitze fehlte mir sogar die Lust, meine Freizeit zu genießen und sah Hobbys als Belastung.
Ich hatte keinen Spaß an meinem Job und keinen Spaß an meiner Arbeit auf dem Trainingsplatz. Ich arbeitete vor mich hin, so wie ich es immer gemacht habe, nahm einen Termin nach dem Anderen wahr und achtete nicht mehr auf mich und mein Gefühl. Keine Zeit für Regeneration. Keine Zeit für mich und mein Leben. Vom Schreibtisch auf die Laufbahn. Von der Laufbahn in den Flieger. Vom Flieger in den Wettkampf. Vom Wettkampf in den Flieger und zurück an den Schreibtisch. Woche für Woche. Monat für Monat.
Meine Situation gipfelte in der Angst, wie bereits 2011 aus heiterem Himmel mit einem Kreislaufzusammenbruch, die Saison zu beenden und damit vielleicht meinen Abschied vom Leistungssport zu besiegeln. Aus Selbstschutz und mit schwerem Herzen traf ich die vielleicht wichtigste und mutigste Entscheidung, die ich bisher im Sport treffen musste. Ich verzichtete auf meinen Start bei der DM und EM. Ich verzichtete auf das, worauf ich so lange hingearbeitet habe. Auf das, was ich Liebe.
Ich nahm mir eine Auszeit, in der ich zu mir finden musste und zu dem, was ich noch von mir und meinem Leben erwarte.
Ich bin in meiner Laufbahn oft hingefallen, um wieder aufzustehen. Ich bin oft abgeschrieben gewesen um wieder zurück zu kehren. Ich bin nicht umsonst Hürdenläufer geworden.
Nur wer sich Hindernisse in den Weg stellt, wird an sein Ziel gelangen.
Ich werde auch diesmal aufstehen. Aufstehen, um mich und mein Leben zu verändern. Hoffentlich mit Veränderungen, die es mir ermöglichen, meinen Traum von Olympischen Spielen ein zweites Mal zu leben.

Ich stehe an einem Scheideweg und werde in eine Richtung gehen.

Lebe Deinen Traum! Ich werde es versuchen.
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Bis Bald und Sport Frei!!!


Euer Silvio

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